Lautoka

Unser zweiter Besuch auf Viti Levu führte uns nach Norden, in das ca. 26km entfernte Lautoka. Nachdem uns Nadi nicht wirklich gut gefallen hatte, hofften wir,dass uns Lautoka positiv überraschen würde.
Wir fuhren also nach Nadi zum Busbahnhof und stiegen in den Bus nach Lautoka. Gerechnet hatten wir mit ca. 1 Stunde Fahrtzeit.

Ingesamt wurden es aber von Wailoaloa Beach bis Lautoka ca. 1,75 Stunden. Der Bus hält gefühlt jeden Kilometer an, aber Gott sei Dank nur gefühlt.
Wir hatten Nadi noch nicht verlassen, waren nur vom Stadtzentrum in Richtung Norden gefahren, und wurden positiv überrascht. In Flughafennähe waren die Bürgersteige
breit und ordentlich, die Gebäude sahen neuer aus, es war sauberer, die Straßen schienen sehr neu zu sein. Dies hier hatte nichts mit Nadi-Downtown zu tun. Das hier war
sehr europäisch.

Fidschi investiert in Infrastruktur und erhöht die Staatsverschuldung durch Kredite von der Weltbank.

Die Fahrt nach Lautoka im Open-Air Bus glich einem Augenschmauß, überall sattes Grün, Kühe, Ziegen, links blitze immer mal wieder das Blau des Ozeans durch und überall gab es kleine Siedlungen. Auch Minimärkte schien es an jeder Ecke zu geben. So langsam näherten wir uns den Bergen, die wir vorher aus der Ferne gesehen hatten. Bis dahin waren wir schon etwa eine dreiviertel Stunde gefahren. Mittlerweile hatten wir auch die alten Schienen des Zuckerzuges erreicht. Sie laufen parallel an der Strasse
entlang und teilweise stehen noch die alten Waggons dort, beladen mit Zuckerrohr, das bereit für die Zuckerfabrik in Lautoka ist. Diese Fabrik funktioniert heute noch immer
und erfüllt die Luft mit einem süßlich vergorenen Geruch der Melasse. Hier wird der Fidschi-Zucker (brauner Rohrzucker) hergestellt. Der kostet im Supermarkt in etwa soviel wie in Europa der
weiße Zucker. Dafür ist hier der weiße Zucker extrem teuer.


Als wir Lautoka erreichten, begrüßten uns große alte und Schatten spendende Baumkronen, einige moderne Gebäude, die Zuckerfabrik, und dann die eigentliche Stadt, die sehr durch die britischen
Kolonialherren geprägt worden war.

Es gibt einen schönen Markt zwischen Bäumen, neben einem Park, der gleich am großen Kreisverkehr liegt und zum Flanieren einlädt. Die Häuser sind alle recht flach und haben selten mehr als 2 Stockwerke und so wirkt die Stadt sehr hell, die Straßen sind breit und offen. Ganz Lautoka mit seinen fast 50.000 Einwohnern, zieht sich weit ins Hinterland. Man glaubt gar nicht, dass hier soviele
Leute wohnen.

Da wir unserer Fährtickets wegen nach Lautoka gefahren waren, machten wir uns vom lauten Busbahnhof auf den Weg, das Büro von Patterson Brothers & Shipping LTD. zu suchen.
Eine nette Fijanerin hatte uns erklärt, dass dies eigentlich genau gegenüber des Busbahnhofes sei, das Gebäude aber zurzeit komplett umgebaut würde. Ja – das konnten wir sehen.

Also folgten wir dem Rat der netten Frau und gingen zum Büro eines Frächters in der Nähe und fragten dort nach besagtem Büro. Ein netter Fijaner hörte sich unser Anliegen an und
zückte kurzentschlossen sein Telefon und rief die Hauptstelle in Suva an. Die ist ja nur am anderen Ende der Insel, die werden wohl kaum wissen, wo Patterson sein Büro hinverlegt
hat, dachten wir, da hier eigentlich kaum jemand zu irgend etwas gesicherte Informationen hat. Aber – weit gefehlt – dieses Mal zumindest :D. Das Büro lag keine 50 Meter Luftlinie entfernt.
Nur ein Schild suchten wir vergeblich an dem Gebäude. Warum auch, die von Patterson wissen ja auch wo ihr Büro ist. Per Zufall entdeckten wir den Treppenaufgang in das obere Stockwerk und wurden dort auch fündig. Also kauften wir
für 2 Erwachsene, 1 Jugendlichen und 3 Kinder das Paket Bus-Fähre-Bus von Suva nach Savusavu auf Vanua Levu, für sage und schreibe ca. 120 Euro für alle zusammen.

Gut- was wir da noch nicht wussten, war, dass der Bus eng bestuhlt ist, man oft nur einen halben Sitzplatz ergattern kann, und daher trotz der frühen Stunde nicht wirklich an Schlafen
zu denken ist. Somit ist der Preis irgendwie gerechtfertigt.

Nachdem wir also unsere Fährtickets in der Tasche hatten, war unsere Mission erfüllt und der vergnügliche Teil in Lautoka konnte beginnen. Wir schlenderten also durch die
Strassen, wo sich Geschäft an Geschäft reihte und uns aus den Schaufenstern vom USB- Lautsprecher, Smartphone bis hin zum indischen Sari alles entgegenleuchtete. Von wegen in Fidschi gibt es nichts, das ist ein Entwicklungsland. In Lautoka kam uns das so gar nicht vor. Wir fanden sogar einen Supermarkt, der gut sortiert war und wo man zu guten Preisen einkaufen konnte. Sogar Colgate, Palmolive und Nescafe grüßten von den Regalen. Aber zugegeben, die meisten Marken kannten wir nicht. MH und NewWorld sind hiesige Supermärkte. Courts ist ein Laden, der von weißer Ware, über HIFI, Grills und Werkzeug in Lautoka so ziemlich alles hat.

Nach dem positiven Supermarkt-Erlebnis gelangten wir auf die Hauptstraße. Dort gab es sogar etwas, das aussah wie ein Einkaufszentrum. Doch vorher wollten wir frühstücken. Im Lonely Planet Reiseführer hatten wir das kleine Cafe am großen Kreisverkehr eines Schweizers ausfindig gemacht, Blue Ginger Café & Deli. Klein aber fein hieß es und das können wir nur bestätigen. Wer also ein gutes und leckeres Essen, Pfannkuchen, Milchshakes, Burger, etc. möchte, der sollte diesem Café in Lautoka unbedingt einen Besuch abstatten. Für 11 F$ bekommt man 2 Scheiben Toast, 2 Eier, Marmelade, Butter und Schinken oder Würstchen, Tee, Kaffee oder Orangen-Saft. Beanstandungen – Keine. Das Personal ist unglaublich freundlich.

So gestärkt und mit guter Laune dirigierten wir unsere Schritte zum Einkaufszentrum. Es stellte sich heraus, dass es recht klein war. Unten gab es nur ein paar Geschäfte und der obere Teil
war ein Fress-Tempel. Indische und Fijanische Küche, sowie süße Teilchen und Kaffee in allen Variationen zogen erstaunlich viele Leute an. Vor allem der für hiesige Verhältnisse teure Kaffee
scheint viele Fans zu haben. Wir wunderten uns auf jeden Fall, wieviele Leute sich einen Kaffee für 6 F$ leisten konnten. Dabei gilt Fidschi nicht als die Nation der Kaffee-Trinker.

Es gibt hier also auch recht viele einheimische wohlhabende Leute. Aha. Nächster Mythos entlarvt.

Nach einem Besuch des Parks am Wasser mit Blick auf eine gestrandete Fähre, wo die Fijan das Wochenende auf dem Rasen mit Picknicks einläuteten, schlenderten wir wieder zum Bus zurück. Wir wollten
noch den Bus vor der Mittagspause erwischen. In dieser Zeit fahren für 2-3 Stunden keine Busse.
Was uns in Lautoka besonders deutlich aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass Inder und Fijan sich selten mischen. Die Paare sind entweder Fijan oder Inder.

Lautoka ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Und wir haben noch lange nicht alles gesehen. Wenn man im Urlaub ist und Erholung sucht, ist ein ganzer Tag Sightseeing nicht das Richtige.
Also hoben wir uns die Dünen im Norden von Lautoka für den nächsten Besuch auf.

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