Wie die Fidschianer so sind – Fidschianische Lebensart

Hier möchte ich den Leuten der Fidschi´s ein paar Worte widmen, da dies bisher zu kurz gekommen ist. Aber die Menschen und ihre Kultur sind nun mal maßgebend für das Lebensgefühl auf den Inseln und warum das Leben hier ist wie es ist.

Es gibt zwei große Volksgruppen auf den Inseln, die Hindo-Fidschianer und die Ureinwohner, die Fidschian. Dann gibt es noch ein paar Chinesen, Japaner, Koreaner, Philippinos, Amerikaner und Europäer.

Die Hindo-Fidschianer besitzen wenig bis kein Land, da die Fidschianer versucht haben, dies weitestgehend zu unterbinden. Aber die indisch-stämmige Bevölkerung, einst als Sklaven für die Zuckerrohrplantagen durch die britischen Kolonialherren eingeschleppt, ist der geschäftstüchtige und fleißige Teil der Gesamtbevölkerung.
Und durch einst hohe Geburtenzahlen wuchs dieser Bevölkerungsanteil mehr als der der Fidschianer.
Dies hat sich heute geändert, da die Hindo-Fidschianer erstens eine rückläufige Geburtenrate haben, sie haben auch meist die bessere Bildung und ein Teil auf Grund der Auswanderung vieler Hindo-Fidschianer nach Kanada und in die USA, da sie hier keine Zukunft für sich sahen.
Fast das gesamte Geschäftsleben ist in der Hand der Inder. So wirkt Nadi wie Klein-Indien und auch Labasa im Norden Vanua Levus ist sehr indisch geprägt.

Die Bevölkerungsgruppen mischen sich auch nur sehr selten und sie sprechen auch nicht die Sprache der anderen. Die Inder sprechen Hindi und die Fidschianer sprechen Fidschianisch. Gemeinsam sprechen Sie Englisch, was Amtssprache ist und in der Schule gelehrt wird.

Die Fidschianer fühlen sich auf Grund der Geschäftstüchtigkeit der Inder oft benachteiligt, genauso wie die Inder sich benachteiligt fühlen, dass Sie keinen Zugriff aufLand haben, ausser es ist Freehold. Aber nur 8% der Gesamtfläche des Landes ist Freehold. Aber so richtig arbeiten möchten die Fidschianer auch nicht. Sie sind ein
gemütliches Völkchen. Ein Teil lebt von Subsistenz-Wirtschaft, ein Teil arbeitet mittlerweile im Tourismus und hat nur noch selten einen kleinen Garten für den Eigenbedarf, ein Teil lebt irgendwo zur Miete in der Stadt und muss alles mit Geld kaufen. Aber auch die Fidschianer, die genug Land um ihr Haus haben, um alles pflanzen zu können,
was man an Lebensmitteln braucht, machen dies immer seltener und kaufen lieber bequem auf dem Wochenmarkt oder im Supermarkt ein.
So einige Fidschianer ziehen von den kleineren Inseln auf die Hauptinsel Viti Levu, um ihren Kindern eine bessere Schulbildung zu ermöglichen. Dann müssen sie im Gegensatz zu ihrer Heimat, alles mit Geld erkaufen, von der Miete bis zum Essen alles. Aber die weitsichtigen unter den Fidschianern nehmen es hin, um ihren Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen zu können. Mittlerweile greift die Einsicht, dass Kinder keine billigen Arbeitskräfte sein, sondern lieber eine Schule besuchen sollten.

Man sollte meinen, die Fidschianer lebten gesund und seien schlank, mit all dem Gemüse, das hier wächst, praktisch von alleine, sobald Samen die Erde berühren und mit dem Fisch aus dem Meer. De facto stellt man aber vor Ort fest, dass die Hindo-Fidschianer meist schlank sind und es unter den Fidschianern sehr viele Übergewichtige gibt. Wenn
wir uns im Supermarkt umschauen, das recht magere Angebot und die doch meist recht stolzen Preise studieren, fragen wir uns aber, von welchem Junkfood das Übergewicht wohl kommen mag. Wahrscheinlich liegt es an den vielen stärkehaltigen Wurzelgemüsen.  Die indisch-stämmigen Fidschianer essen aber noch traditionell Reis und viel Gemüse und alles in kleinen Portionen.
Und Sport ist hier ein Fremdwort. Die Leute hier bewegen sich nämlich sehr gemächlich. Was irgendwie nicht ganz mit ihrer Sportversessenheit zusammenpasst. Die letzten 2 Sätze sind ein Widerspruch – richtig? Ja,
sie sind sportversessen, auf den Sport, den andere ihrer Landsleute machen. Aber das ist eine Minderheit, die sich da bewegt. Sie sind Rugby-begeistert und schauen für ihr Leben gerne die
Spiele der Liga – richtig, schauen. Aber sie laufen keine unnötigen 20 Meter weiter bis nach Hause von der letzen Bushaltestelle, wenn man den Bus doch durch weiteres Klingeln dazu bringen kann, nach gerade mal 20 Metern Fahrt wieder anzuhalten. Sportunterricht in der Schule gibt es in der Regel nur im 2. Trimester, für eine Stunde in der Woche, also auch nicht wirklich viel. Aber gut, bei 33 Grad und 90 % Luftfeuchtigkeit schwitzt man ja auch, ohne sich groß zu bewegen. Also wozu joggen gehen.

Nichts desto trotz, sind die Leute, die noch recht traditionell leben, meist glücklich und alle sind sehr freundlich. Die ausgewanderten Fidschianer kehren alle nach ein paar
Jahren in ihre geliebte Heimat zurück, sie wissen einfach, was sie hier haben. Aber sie leben ausserhalb der Clans, sie sind frei und leben in einer Mischung aus Moderne und
Tradition. Auf uns wirkt es wie der Garten Eden. Die Fidschianer, die der Arbeit oder Ausbildung wegen auf die Hauptinsel gegangen sind und ihre traditionellen Clans verlassen haben,
trauern oft dem guten alten Leben auf Fidschi zurück. Sie sehen sehr genau, dass der Kapitalismus nicht nur Gutes bringt. Denn das, was wir hier vielleicht vermissen, wie gutes Brot, Käse, Wurst oder einen schönen Rotwein, das kennen sie alles nicht und vermissen es daher auch nicht. Aber sie sehen wie die Natur, die sie immer geachtet haben, jetzt für den Bau neuer Hotels zerstört wird und doch müssen sie die Schaffung von Arbeitsplätzen irgendwie gutheißen. Es sind Jobs, die sie brauchen, damit ihre Kinder auf die besseren Schulen gehen können. Es ist eine Krux. Viele sind daher gespalten zwischen Fortschritt und erhalt der Traditionen.

Wenn man durch abgelegene Dörfer fährt, ohne öffentlichen Strom, wird man dennoch erstaunt feststellen, dass es Häuser mit Solarpanelen gibt und, wie sollte es anders sein, mit riesigen Satellitenschüsseln für das Fernsehen.
Auch kommt es vor, dass barfüssige Fijaner die Strasse entlang laufen, aber Kopfhörer im Ohr haben und ein Smartphone in der Hand. Ein Land zwischen Tradition, Entwicklung und
Moderne. Der Kontrast könnte größer nicht sein.

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