Nadi nach Suva mit dem Expressbus

Die einfachste und bequemste Möglichkeit am Rand der Insel entlang irgendwohin zu gelangen, ist mit einem Expressbus. Diese Busse fahren entweder von Nadi aus oben herum über Ba, Rakiraki bis nach Suva über die Kings Road, Fahrtzeit zwischen 6-8 Stunden, je nach Wetter und Strassenlage, oder von Nadi aus in Richtung Süden auf der Queens Road über Sigatoka, Pacific Harbour bis nach Suva, Fahrtzeit ca. 4 Stunden.

Da wir eigentlich dachten, uns nachmittags in Suva noch etwas anschauen zu können, entschlossen wir uns, den Bus über die Queens Road zu nehmen. Es gibt 3 operierende Busfirmen und wir entschieden uns pragmatisch auf Grund der Uhrzeit für eine davon. Also fuhren wir mit dem Taxi bis zur zentralen Busstation in Nadi, die an einem Sonntagmorgen angenehm überschaubar war.

Am Bussteig stand schon der Fahrkartenverkäufer. Für erstaunlich wenig Geld kauften wir also 6 Tickets und warteten gespannt auf den Bus. Dieser kam auch nach wenigen Minuten.

Da es ein ganz normaler moderner Reisebus war, konnten wir unsere 6 Rucksäcke ohne Probleme verstauen und nahmen oben Platz.

Eigentlich wären wir schon mit der im Preis inbegriffenen Sightseeing-Tour über die Insel zurfrieden gewesen, sprich aus dem Fenster schauen, aber wie sich nach einiger Zeit herausstellte, hatte der Bus kostenloses WIFI mit an Bord und einen Fernseher, auf dem während der Fahrt ein kindertauglicher Spielfilm abgespielt wurde. Da waren wir alle doch etwas baff. Auf meiner letzten Klassenfahrt in Deutschland, mit einem ebensolchen Reisebus gab es kein Fernsehen, geschweige den WIFI. Wenn ich ehrlich bin, gab es ja noch gar kein WIFI und das Internet steckte in den Kinderschuhen des amerikanischen Militärs. Aber gut, ein Film wäre bei der deutschen Autobahnlandschaft zur Abwechslung auch mal nett gewesen. Hier brauchten wir eigentlich kein TV, was die Kinder aber nicht davon abhielt, trotzdem auf die Mattscheibe zu schauen.

Fernseher schon wieder eingeklappt nach 1 1/2 Stunden Film.

Wir Erwachsenen genossen aber die Fahrt durch Täler, über Flüsse, an Stränden vorbei, über weite Graslandschaften, die sich um so weiter wir nach Süden fuhren, immer mehr in Dschungel verwandelten. Scheinbar überall gab es kleine Siedlungen, einzelne Häuser, selbst im dichtesten Dschungel standen plötzlich ein paar Hütten auf einer freigeschlagenen Fläche an der Straße. Die Häuser waren meist aus Wellblech, Paletten und Holz zusammengeschustert. Direkt nach Nadi sahen wir ein paar Stelzenhäuser, die sehr abenteuerlich und zerbrechlich aussahen. Aber da sie in einem Tal standen und es im Westen der Insel, die ja eher trocken ist, doch auch mal heftig Regnen kann, wussten die Einwohner wohl, warum sie lieber 3 Meter über dem Boden wohnen.

Auf der gesamten Strecke nach Suva sahen wir immer wieder Kühe, Ziegen und Pferde. Auch eine wenige Schafe waren dabei, aber kein einziges Schwein. Aha, dachten wir, die Fidschianer mögen wohl kein Schweinefleisch. Aber – weit gefehlt, wie wir später auf Taveuni von Freunden erfuhren, die es nach 27 Jahren auf Fidschi ja wissen müssen.

In den Dörfern saßen die Fidschian in und vor ihren Hütten, aßen oder kochten Essen zu, sahen in den Himmel, die Säuglinge lagen bei ihren Müttern im Schneidersitz und allgemeines Nichtstun war an der Tageordnung. Denn es war Sonntag und der Sonntag ist in diesem sehr christlichen Land heilig. Da wird nicht geangelt, nicht gewaschen und auch das Essen wird nur noch gekocht, alles wird am Samstag schon vorbereitet.

Wenn man also am Sonntag zum fischen raus auf das Meer fährt, riskiert man einen mißbilligenden Blick von der Dorfgemeinschaft. Touristen sind davon allerdings ausgenommen. Aber wir stellten auch fest, dass unser Busfahrer, der in diesem einen Fall ausnahmsweise ein Fidschianer war, nicht besonders gut gelaunt bei der Arbeit war, was wir darauf zurückführten, dass er an einem Sonntag arbeiten MUSSTE.Wir wunderten uns manchmal während der Fahrt, dass die Leute trotz teils sehr einfacher Behausungen, doch alle ordentlich und sauber gekleidet waren und die Menschen zufrieden wirkten.

Aber was wir in der industrialisierten Welt schon vergessen haben, ist dass der Mensch ein geselliges Wesen ist, das zum Glücklichsein die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft braucht. Und diese Gemeinschaft funktioniert auf Fidschi noch zum großen Teil. Wir kaufen uns unser Glück durch irgendwelche materiellen Dinge, aber dieses Glück ist nur von kurzer Dauer. Forscher sagen, diese Dauer beträgt ziemlich genau 30 Minuten. Tja, und so ein sonntägliches Essen dauert eben Stunden. Und sie veranstalten das jeden Sonntag. Deshalb sind die Leute hier überwiegend SEHR glücklich.

Als kleinen Exkurs muss ich aber auch sagen, dass es immer mehr junge Leute gibt, die aus der Dorfgemeinschaft ausbrechen. Denn im Dorf regiert das Kerekere, Bittebitte. Das bedeutet, wenn einer im Dorf 100 F$ verdient hat, dann muss er an alle abgeben. Ein Anhäufen von Reichtum und Gütern ist daher nicht möglich, da das Dorf immer mit partizipiert. Und manche Menschen möchten mehr für sich erreichen und verlassen das Dorf und damit auch die Gemeinschaft, für immer. Sie können zwar zur Verwandschaft zurückkommen, aber sie gehören nicht mehr richtig dazu.

Das Kerekere hat den Menschen Jahrhundertelang das Überleben gesichert.

So, zurück zu unserer Fahrt.

Kurz vor Pacific Harbour, wurde das Land wieder weit und gab Raum für Wiesen. Vorher war die Straße zwischen Meer und den steilen Bergen eingepfercht und in den Tälern schmiegten sich die Dörfer an die Hänge oberhalb der Straße.

Jetzt auf den weiten Wiesen grasten wieder viele Kühe und ab und an auch wieder Pferde,letztere immer mit einem losen Strick um den Hals. So findet man die Pferde auch irgendwo am Strassenrand grasend, scheinbar ohne Eigentümer. Auf den weiten Weiden vor Pacific Harbour konnte man meinen irgendwo in Europa zu sein.

Von Pacific Harbour war vom Bus aus nicht viel zu sehen, ein wenig vom Golfplatz, ein wenig vom neuen Bebauungsplan und viele Palmen. Dafür werden wir diesen Flecken ja gegen Ende unserer Reise noch besuchen. Suva war an diesem trüben Nachmittag nicht gerade eine Enttäuschung, aber auch nicht weit davon entfernt.

Straßenverkauf, auch am Sonntag, aber das machen nur die Inder.

Waschbecken im Speisesaal eines indischen kleinen Fish & Chips Restaurants in Suva. Sicherungskasten neben dem Wasser – in Europa undenkbar – hier ganz einfach !

Auf unserer dringenden Suche nach einer öffentlichen Toilette, war die Menschen sehr hilfreich. Die Toilette wollten wir aber lieber nicht noch einmal besuchen müssen. Aber wie das bei Reisen mit Kindern immer so ist, was man sich wünscht und was man am Ende in der Realität bekommt klafft doch meist sehr weit auseinander.

Da wir in Suva nur eine Nacht bleiben wollten/mussten, um am nächste Morgen in aller Herrgottsfrühe de Zubringerbus zur Fähre zu erwischen, hatte sich die Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft für 6 Leute in erreichbarer Nähe des Busbahnhofs, als ziemlich schwierig herausgestellt. Wir wollten keine 300 Euro oder mehr für 6 Stunden Schlaf ausgeben, denn um 4 Uhr morgens sollten wir wieder am Bussteig stehen. Schon da schwante uns eines, die Fidschianer sind keine Langschläfer.

Ich hatte von Zuhause aus Stundenlang im Internet nach Hotels und Privatunterkünften gesucht, über Booking, Airbnb, Tripadvisor etc, und nur eine einzige Unterkunft auf Booking gefunden, die in Suva lag und nicht 300 Euro die Nacht kostete. Die Bewertungen waren in Ordnung und für 70 Euro 2 Zimmer in einem Haus gemeinsam mit den Eigentümern mit geteiltem Bad schien uns für die paar Stunden akzeptabel. Auf dem Rückweg von Vanua Levu bei einem erneuten Besuch in Suva erfuhren wir, dass es durchaus bezahlbare Hotelzimmer mitten in Suva gibt, aber die findet man eben nicht über Booking und Co.

Auch die Lage sah auf der Karte nicht schlecht aus. Aber Suva ist größer als es auf der Karte wirkt und als unser Taxifahrer uns am Haus ablieferte, ahnten wir, dass so einiges mehr Schein als Sein war. Doch davon mehr im nächsten Post, der definitiv kürzer wird :D.

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